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Turid Rugaas empfiehlt Brustgeschirr und ist gegen Halsband. Leinenführigkeit ist möglich!

Halsband oder Geschirr - Leinenführigkeit lernene
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Oft fragen wir uns, ob wir unserem Hund ein Halsband oder ein Geschirr anlegen sollen. Und kann Leinenführigkeit auch mit Geschirr gelernt werden? Nicht weniger häufig ist dies ein strittiges Thema unter Hundetrainern, die vorwiegend zu einem Halsband tendieren. Hundehalter und FTT wenden dabei ein, dass der Hund sich ja durch ständiges Ziehen verletzen kann. Ob ein Halsband oder ein Geschirr besser ist, kommt tatsächlich auf die Situation, das Trainingsniveau des Hundes, Gewicht und noch andere Kriterien an, die wir uns hier gerne anschauen.

Warum empfehlen die meisten Hundetrainer Halsband vor Geschirr?

Vor allem Hundetrainer verlangen als erste Maßnahme des Leinenführigkeitstrainings das Halsband. Hier ist natürlich immer eine gutes und qualitativ hochwertiges Halsband Pflicht, das heißt, es muss dem Hundekörper und Gewicht standhalten können.

Ein immenser Vorteil des Halsbandes ist der, dass der Kopf des Hundes schneller aus Situationen abgewendet werden kann. Was bedeutet, den Kopf von Situationen abwenden? Eine brenzlige Situation ist, wenn dein Hund Essensreste (oder Giftköder) vom Boden aufnehmen will. Mit einer kurzen und seitlichen Bewegung der Leine holt man den Kopf des Hundes sofort weg von seinem „Ziel“. Zum Beispiel kann so auch verhindert werden, dass Exkremente aufgenommen werden.

Wie wird das Halsband beim Hundetraining eingesetzt?

Das Halsband ist vor allem beim professionellen Hundetraining für den Hund meist Pflicht. Es soll eben zu einer besseren Leinenführigkeit dienen. Der Hundekopf ist durch die Leine besser kontrollierbar. Außerdem kann durch ein gefühlvolles wegziehen nur der Kopf angehoben werden und es muss nicht wie mit dem Geschirr der ganze Körper bewegt werden, was bei großen Hunden noch schwieriger ist.

Während dem alltäglichen Hundetraining, wie zum Beispiel, beim Sitz-, Platz-, Hier,- Training soll nicht auf Halsband und Leine verzichtet werden, auch wenn wir zu Hause im Wohnzimmer trainieren. Auch bei einer Artgenossenbegegnung kann der Hund aus der Situationen geführt werden. Beachte dabei, dass Hunde immer in der Bewegung lernen.

Des Weiteren ermöglicht Halsband und Hundeleine das sogenannte „Splitting“ (engl. Trennen), bei dem man den Hund von der einen Seite auf seine andere Seite führt. Dies ist sehr hilfreich, wenn dein Hund andere Hunde auf der anderen Straßenseite anbellt oder hinzieht. Diese Bewegung soll aber gelernt sein, um deinen Hund nicht in der extremen Situation zu überfordern oder zu strangulieren.

Turid zeigt die Nachteile des Halsbandes und Vorteile des Geschirrs

Allerdings ist es fragwürdig, ob das Halsband gesund für deinen Hund ist, wenn er wie wild an der Leine zieht, denn dadurch kann er sich schlimme körperliche Schmerzen zuziehen.

Die Nachteile des Halsbandes liegen auf der Hand: ruckartiges Ziehen an der Leine, sei es durch den Hund oder den Halter, kann zu Verletzungen führen.

Das Halsband kann die Wirbelsäule deines Hundes verletzen

Schau dir das kurze Video von der norwegischen Hundetrainerin und international anerkannten Spezialistin für Beschwichtigungssignale der Hunde, Turid Rugaas an. Hier erklärt sie, dass durch das Ziehen am Hals Druck auf die Halswirbel ausgelöst wird und somit auch auf die gesamte Wirbelsäule verlagert. Das kann zu Zerrungen und Verletzungen der Wirbelsäule und Bandscheiben führen.

Fazit: Die Vorteile des Geschirrs sind eindeutig

Das Geschirr ist für den Hund angenehmer und verhindert ruckhafte Belastungen der Wirbelsäule. Außerdem ist er in Krisensituationen besser gesichert.

Manche Hunde, vor allem kleine Hunde, sind öfters „gefährlicheren“ oder „wilderen“ Hunden ausgesetzt und eine schnelle Reaktion des Hundehalters ist es meistens den Hund mit der Leine wegzuziehen oder sogar nach oben in die sicheren Hände des Halters zu ziehen. Dies wäre auf keinen Fall mit deinem Halsband möglich.

Mit Geschirr ist dein Hund sicherer als mit Halsband

Des Weiteren ist der Hund mit einem Brustgeschirr besser gesichert, sollte ein ruckhaftes oder schnelles Ziehen notwendig sein, zum Beispiel, beim „Über-die-Straße-gehen“. Das adäquate Halsband zu finden ist auch nicht immer so leicht, und kann schnell zu klein oder zu groß sein. Im letzteren Fall passiert es dann schnell, dass der Hund aus dem Halsband „schlüpft“.

Die Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz hat in Kooperation mit der Vetmeduni Wien einen Infoflyer über das passende Hundegeschirr bereitgestellt, in dem du bei der Auswahl eines passenden und wissenschaftlich empfohlenen Brustgeschirrs beraten wirst.

Mein Hund ist aber leinenführig und ganz ruhig – was dann?

Wenn dein Hund ruhig, trainiert und sich in gewissen Situationen nicht ablenken lässt, wie zum Beispiel, durch Katzen, andere Hunde, Menschen, Radfahrer, Autos, etc., kann ein Halsband verwendet werden. Jedoch ist ein Hund im schlimmsten Fall immer am besten mit Brustgeschirr abgesichert. Wenn man sich Videos der berühmten Turid Rugaas ansieht, stellt man fest, dass auch große Hunde, wie Labradore oder Schäferhunde, immer Brustgeschirr tragen und mit einer mindestens 2,5 m langen Leine geführt werden. Es geht beim hündischen Spaziergang eben auch darum, dass dein Hund schnüffeln kann und vor allem darum, deinen Hund, seine Aktionen und Körpersignale besser verstehen zu lernen.

Kann man Leinenführigkeit auch mit Geschirr trainieren?

Es gibt auch noch die Möglichkeit den Hund mit beiden, Halsband und Geschirr, Gassi zu führen, oder noch besser mit einem Ttouch Brustgeschirr. Zieht dein Hund wie wild in alle Richtungen und rastet bei Katzen oder Artgenossenbegegnungen aus, dann kannst du durchaus ein Training mit einer Kombination aus Halsband und Geschirr starten.

Schritt 1: Verwende eine lange Führleine

Dabei benötigst du eine 3 m Leine mit zwei Karabiner. Einen Karabiner machst du am Halsband und den anderen am Geschirr fest. Diese Art Leinen nennen sich positionierbare Leinen und haben meistens mehrere Ringe, um sie auf die gewünschte Länge einzustellen. Beim Spaziergang solltest du die Leine immer mit zwei Händen führen.

Schritt 2: Leinenspiel

Jetzt nimmst du, zum Beispiel, die Leine des Geschirrs in die rechte Hand. Am besten wäre es hier deine stärkere Hand zu nehmen, da du hier den Körper des Hundes und somit seine volle Körperkraft kontrollierst. In die andere Hand nimmst du den Teil, der zum Halsband führt, das heißt, den längeren Teil der Leine. Jetzt ist Leinenspiel und vollste Aufmerksamkeit gefragt. Du musst nun aufpassen und dich koordinieren. Wenn dein Hund zieht, hältst du ihn über das Geschirr zurück und über das Halsband wendest du nur seinen Kopf, sollte er, zum Beispiel, etwas vom Boden aufnehmen wollen.

Schritt 3: Halte das Geschirr

Wenn ein anderer Hund vorbeikommt und dein Hund hinzieht und bellt, gehst du genauso vor. Halte deinen Hund über das Geschirr fest, sodass er sich nicht am Hals verletzten kann. Mit der anderen Hand bewegst du gefühlvoll den Kopf in eine andere Richtung, weg vom anderen Hund, Katze, etc.

Schritt 4: Loben

Bitte vergiss hier auf keinen Fall deinen Hund zu loben, wenn er aufhört zu bellen, oder sich langsam beruhigt. Und vermeide es zu schimpfen oder deine Stimme zu erheben. Das würde ihn nur in seinem Tun bestätigen.

Was tun, wenn der Hund trotzdem an der Leine zieht? Halsband vs. Geschirr

Das „An-der-Leine-ziehen“ ist eine Angewohnheit, die dein Hund sehr wohl auch mit Geschirr ablegen kann, bzw. Leinenführigkeit trainiert werden kann. Dazu ist das richtige Training anzuwenden und vor allem, ohne negative Bestätigung, Rucken oder Gewalt. Auch das Spazierengehen mit Flexi-Leine soll gelernt sein. Dazu gibt es einige wichtige Grundregeln, um einen sicheren Spaziergang zu gewährleisten. Unter dem Menüpunkt Hundetraining findest du alles, was du über das Hundetraining mit positiver Verstärkung und den Aufbau einer guten Hund-Mensch-Beziehung wissen musst. Unter anderem findest du dort:

  • Tipps für einen sicheren Spaziergang mit Flexi©.
  • Anleitungen, wie man die Leine richtig hält.
  • Die 4 Arten des Lobens: Wie lobt man einen Hund richtig.
  • Die Körpersprache des Hundes verstehen. Vergleich Hund und Mensch.
  • Beschwichtigungssignale der Hunde: Warum gähnen, niesen, schlecken Hunde? Etc.
  • Und vieles Mehr.

Was passiert, wenn der Hund in die Leine springt?

Egal ob der Leinenimpuls = Leinenruck vom Hundehalter ausgeführt wird, oder vom Hund hervorgerufen wird, hat gleiche Auswirkung auf die Gesundheit des Hundes, dies zeigt dieser Flyer, den du dir kostenlos herunterladen kannst (©wp.hundeschule-harmony-life.de).

Folgen des Halsbandes durch Leinenruck:

Welche Schäden können durch Leinenruck und Halsband entstehen?

  • Schäden an der Wirbelsäule, wie Bandscheibenvorfall, Verformung und Knorpeldefekte
  • Verletzungen am Kehlkopf, wie chronische Kehlkopfentzündung, Blutungen, Nervenschädigungen, Verletzung der Knorpel.
  • Schäden an der Luftröhre, wie Entzündungen und Verengungen.
  • Lungenverletzungen, wie Lungenödem und Unterdruck in den Lungenbläschen, wodurch Wasser eindringen kann.
  • Hoher Blutdruck aufgrund des Abschnürens am Hals und der Blutzirkulation zum Gehirn.
  • Erhöhter Augeninnendruck, welcher zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbreichen und verminderte Sehfähigkeit führen kann.
  • Aggressivität: Durch Leinenruck kann deinem Hund signalisiert werden, dass es sich bei dem anderen Hund oder Mensch um Gefahr handelt und dein Hund somit attackiert.
  • Körpersprache und Beschwichtigungssignale können sich verändern bzw. verlernt werden. Außerdem wirkt der Hund durch das ruckartige Anheben angriffsbereit und verzerrt seine Körpersprache für andere Artgenossen, die womöglich auch aggressiv darauf reagieren können.
So soll ein Geschirr für den Hund aussehen, ohne auf den Kehlkopf zu drücken und die Beweglichkeit des Hundes einzuschränken. ©Tierexperte.info

Wo finde ich ein geeignetes Brustgeschirr für meinen Hund?

Das Brustgeschirr darf weder auf den Kehlkopf des Hundes drücken, noch seine Beweglichkeit einschränken. Das sogenannte Ttouch-Geschirr gibt es mittlerweile in mehreren Ausführungen, sowie in gepolsterter Form. Es hat mindestens zwei Ringe, einen vor der Brust und einen am Rücken. Andere haben sogar drei am Rücken, damit du die Leine durchziehen kannst und somit der Hund von zwei Seiten und über zwei Personen abgesichert wird. Wir stellen dir gerne einen Link zur Verfügung, mit dem du zu einem geeigneten Brustgeschirr für deinen Hund (*) kommst.

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