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Warum beim Hundetraining Streicheln tabu ist

Warum du deinen Hund beim Hundetraining nicht streicheln solltest. Streicheln ist für Hunde eine Bestätigung für positives sowie negatives Verhalten.
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Gerne streicheln wir unseren Hund, fassen ihn am Kopf an oder tätscheln seine Flanke, um ihm zu zeigen, dass er ein „guter Junge“ ist. Oft passiert es uns auch, dass wir unseren Hund in brenzligen Situationen berühren, weil wir ihn zurückhalten, oder ihn beruhigen wollen. Doch bemerken wir vielleicht gar nicht, dass wir ihn so in seinem negativen Verhalten oder in seiner Angst bestätigen.

Wieso soll man den Hund beim Hundetraining nicht streicheln?

Es gibt mehrere wichtige Gründe, weshalb man den Hund während dem Hundetraining nicht berühren sollte. Erstens brauchen wir diese sehr starke Art des Lobens nicht, da wir ja schon Futter zur Hand haben, oder mit der Stimme loben, und zweitens, weil der Hund die Berührung meist falsch, bzw. anders als wir, versteht.

Den richtigen Zeitpunkt zum Loben erwischen

Beim Hundetraining ist es ganz wichtig, immer zum richtigen Zeitpunkt zu loben. Das tun wir am besten immer mit Futter oder mit der Stimme, indem wir, zum Beispiel, „brav“ sagen. Streicheln als Belohnung für positives Verhalten ist eine Bewegung, die viel langsamer ausgeführt wird als das schnelle „Fein!“. Deshalb ist einer der Gründe, warum wir den Hund nicht anfassen beim Hundetraining, weil das richtige Timing entscheidend ist. Oft belohnen wir so eben viel zu langsam, zu spät, oder zu lange.

Überschuss an Bestätigung

Der zweite Grund ist die Überstimulation. Es gibt 4 Arten, den Hund zu loben. Ein Hund fühlt sich in seinem Tun bestätigt, wenn du ihn ansiehst, wenn du ihn Futter gibst, mit ihm redest, ja sogar schimpfst und wenn du ihn anfasst bzw. streichelst.

Beim Hundetraining ist es maßgeblich, nur eine dieser Belohnungsarten situationsbedingt auszuwählen. Meistens verwenden wir Futter oder Leckerchen zur Bestätigung oder die Stimme, würden wir nun auch noch streicheln kann das eine Überreaktion beim Hund auslösen. Mit Überreaktion meinen wir eine plötzliche Euphorie und Freude, die den Hund hyperaktiv machen kann. Dadurch erschwert sich das Hundetraining bzw. wird es schwerer dem Hund ein Kommando beizubringen. Hunde lernen am besten, wenn sie ruhig und entspannt sind und ohne Ablenkungen.

Auf der anderen Seite kann ein Überschuss an Loben dazu führen, dass dein Hund nun immer diese extreme Bestätigung braucht bzw. immer mehr braucht, damit er versteht, dass er etwas gut macht. Deshalb fangen wir immer klein an mit dem Loben. Ein selbstbewusstes „Brav!“ reicht aus, ohne die Stimme zu erheben oder zu verniedlichen.

Den Hund in brenzligen Situationen zu berühren kann gefährlich sein

Hunde reagieren sehr sensibel auf Berührungen, schon eine kleine Bewegung kann in ihm das Gefühl der Bestätigung auslösen.

Ein Beispiel: Berührung in brenzliger Situation

Akira, eine schon ältere Schäferhündin, ist wohlerzogen, trainiert und ruhig. Sie gilt als nicht aggressiver Hund und hat meistens kein Interesse anderen Hunden den Hintern zu schnüffeln. Sie liegt ganz gemütlich vor ihrem Herrchen, der auf einer Bank sitzt. Plötzlich kommt ein frei laufender Hund direkt auf sie zu, ohne etwaige Beschwichtigungssignale zu machen. Akira bleibt liegen, ist aber hellhörig. Das Herrchen erschrickt und will Akira am Halsband ergreifen, falls diese aufspringt. In dem Moment, als er sie berührt, springt Akira wirklich auf und bellt den anderen Hund an oder attackiert ihn. Diese Situation kann sehr schnell eskalieren, vor allem, wenn der andere Hund freiläuft oder Akira sich wegreißt.

Wieso ist Akira aufgesprungen und hat angefangen zu bellen?

Akira war sich unsicher, ob der andere Hund friedlich ist, und hat ihre Ohren gespitzt. Als sie von ihrem Herrchen die Bestätigung der Unsicherheit bekommen hat, nämlich in dem Moment, als er sie angefasst hat, ist sie sofort aufgesprungen. Leider kann so eine Situation in sekundenschnelle eskalieren.

Den Hund nie berühren oder streicheln, wenn er bellt

Das eine ist Berührung als Belohnung, das andere die Bestätigung für schlechtes Verhalten. Da Hunde das Anfassen als Lob für jegliches Tun wahrnehmen, wäre es fatal den Hund zu berühren, wenn er dabei ist einen anderen Hund oder eine Person anzubellen. Was du stattdessen tun kannst, erklären wir in dem Artikel: Wie man dem Hund das Bellen abgewöhnt, ohne zu schimpfen.

Bestätige Angst nie mit Streicheln

Hat dein Hund Angst oder fühlt sich unsicher, gibt es einige andere Methoden, um ihn zu beruhigen oder ihm diese Angst abzutrainieren. Aber Streicheln ist auch in diesem Fall kontraproduktiv. Hunde, die Angst vor Gewitter haben, kratzen oft an der Wand, um Stress abzubauen. Hier hilft weder Reden noch Streicheln. Hunde, die plötzlich Angst vor dem Gassigehen haben, müssen vorsichtig trainiert werden, allerdings hilft auch hier Berührung oder Hochheben nicht auf Dauer.

Was kann ich tun, wenn mein Hund Angst hat?

Du kannst sehr viel tun, wenn dein Hund Angst hat, ohne ihn unabsichtlich zu bestätigen. Ganz klar ist, den Hund zu streicheln, anzufassen und übermäßig mit ihm reden ist tabu. Jedoch gibt es noch die Möglichkeit, das Verhalten umzulenken, und zwar nicht mit reinem Futter, sondern mit einer mentalen Beschäftigung, mit einem Kauknochen, oder einem befüllbaren Kong. Die andere Wahl ist den Hund zu bewegen, mit ihm spielerisch Gassi zu gehen, ihn in der Wohnung mit Leine und Halsband führen, Trainingsübungen ausführen lassen, etc. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

In welchen anderen Situationen solltest du einen Hund nie anfassen oder streicheln?

Es gibt zahlreiche Situationen, in denen du einen Hund nicht anfassen solltest. Das liegt nicht nur daran, dass der Hund Angst hat oder unsicher ist, sondern weil Hunde manchmal unberechenbar sind. Wir können eben ihre Gedanken nicht lesen.

  • Einen fremden Hund, egal ob er liegt, sitzt oder steht.
  • Einen Hund der Beschwichtigungssignale zeigt, vor allem, wenn es ein fremder Hund ist. Beschwichtigungssignale sind: Gähnen, Niesen, sich strecken, wegschauen, sich wegdrehen, sich über die Schnauze schlecken, sich ducken, den Schwanz einziehen.
  • Wenn sich ein Hund unterwürfig zeigt, d.h. wenn er sich ängstlich zusammen rollt, sich auf den Rücken legt und den Bauch zeigt.
  • Wenn der Hund Angst hat und markiert.
  • Hunde, die die Ohren zurücklegen und knurren.
  • Wenn Hunde Angst vor Kindern haben, sollen sich diese auf keinen Fall annähern, auch wenn dein Hund normalerweise nie beißen würde.
  • Lasse nie einen Fremden deinen Hund berühren und umgekehrt, lasse deine Kinder keinen fremden Hund, ohne Erlaubnis des Besitzers streicheln.
Man sollte einen fremden Hund nie streicheln, wenn er Beschwichtigungssignale zeigt.

Wann kann ich meinen Hund dann streicheln?

Natürlich wollen wir damit nicht sagen, dass du deinen Hund gar nicht mehr berühren sollst, das wäre ja quatsch! Hunde brauchen, wie wir Menschen, Nähe und sozialen Kontakt zu seinen Lieben. Deshalb ist Streicheln und Liebkosung jederzeit wünschenswert, wenn eben nicht gerade trainiert wird.

Auf der Webseite von Kong Company bekommst du weitere Informationen über ihre Kauknochen, Rezepte zum Füllen und wofür man den Kong sonst noch so einsetzen kann.