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Was ist Impulskontrolle beim Hund?

Impulskontrolle beim Hund bedeutet nicht nur nichts vom Boden zu fressen, sondern auch Blickkontakt aufzunehmen, Leinenführigkeit, Selbstbeherrschung, nicht zu bellen, ruhig bei Begrüßung zu bleiben, etc.
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Mit Impulskontrolle meint man bei der Hundeerziehung, dass dein Hund einem Reiz, einer Ablenkung widersteht. Das heißt, dass er seinem natürlichen Impuls etwas zu tun, kontrolliert und erstmal abwartet, was du, das Herrchen bzw. Frauchen, sagst. Hierfür gibt es sehr viele verschiedene Übungen, die in Kombination zu einer erfolgreichen Impulskontrolle führen.

Warum sollte mein Hund Impulskontrolle lernen?

Impulskontrolle ist ein wichtiger Schritt im Hundetraining und führt zu einer wohltuenden Hund-Mensch-Beziehung, denn dabei kommt es vor allem auf eines an:

Dein Hund soll dir vertrauen und du sollst deinem Hund vertrauen!

Dieses Vertrauen muss sich natürlich erst aufbauen. Es ist ganz normal und natürlich, dass ein Hund automatisch seinem Impuls nachgeht und zum Beispiel Essensreste vom Boden aufnimmt. Wieso auch nicht? So ist es für ihn auch ganz klar, dass er sein Zuhause vor Katzen beschützen muss und ihnen nach jagen wird. Aber bitte nicht verzagen, denn Impulskontrolle kann erlernt werden und soll so bald wie möglich und schon im Welpenalter trainiert werden.

Wenn Hunde Futter auf dem Boden finden, ist ihr erster Impuls, es schnell aufzunehmen. Beim Spaziergang unterliegt dein Hund aber nicht nur der Versuchung, ekligen Abfall oder Exkremente zu fressen. Auch müssen wir an die Vergiftungsgefahr, durch Giftköder, Rattengift, Zigaretten, Dünger, etc. denken. Deshalb wollen wir ihn dazu bringen, seinen Impuls zu kontrollieren und uns mit einem Blick um Erlaubnis zu bitten, bevor er überhaupt daran denkt, etwas aufzunehmen. Natürlich gilt dies auch in den eigenen vier Wänden, denn manchmal kann es auch passieren, dass uns etwas zu Boden fällt, was der Hund nicht fressen sollte.

Ziel der Übung ist zu vermeiden, dass dein Hund Essensreste, Gift und dergleichen vom Boden aufnimmt.


Ab wann kann Impulskontrolle beigebracht werden?

Impulskontrolle ist eine der wichtigsten Trainingsaufgaben, die vom ersten Moment an trainiert werden kann und soll. Dazu gibt es einige Übungen, die wir weiter unten vorstellen. Auch kleine Welpen mit 2 Monaten können schon vorsichtig trainiert werden. Umso früher man damit beginnt, desto leichter fällt es dem Hund natürlich. Man muss bei kleinen Welpen nur aufpassen, sie nie zu überfordern und seinen Lernprozess zu respektieren. Sie können normalerweise nicht länger als 20–30 Minuten aufmerksam sein, deshalb empfehlen wir auf jeden Fall viele Pausen zu machen, in denen er sich entspannen kann.

Welpen bis zu 6 Monaten schlafen viel öfters als ausgewachsene Hunde, lernen aber sehr schnell. Nach wenigen Versuchen ist es möglich, dass er die Übung perfekt verstanden hat. Dann kommt es auf deine Ausdauer an, denn Hunde sollen ihr Leben lang lernen und immer wieder an die Übungen im Alltag erinnert werden.

Kann jeder Hund Impulskontrolle lernen?

Ja, jeder Hund, ob Welpe, Junghund oder Senior, unabhängig der Rasse, jeder kann lernen seinen Impuls zu kontrollieren. Manche meinen, spezielle Hunderassen, wie zum Beispiel Border Collies, Aussies, Dackel, Jack Russell, Malinois oder andere Hütehunde, hätten es schwerer, Impulskontrolle zu lernen oder müssten noch intensiver trainiert werden. Doch absolut jeder Hund kann lernen, sich nicht ablenken zu lassen und Ruhe zu bewahren.

Aber noch wichtiger zu verstehen gilt, dass vor allem der Hundehalter lernen muss, nicht nur der Hund. Das Herrchen bzw. Frauchen sind diejenigen, die zuerst lernen, was Impulskontrolle beim Hund überhaupt bedeutet und wie man dem Hund diese Gelassenheit im Alltag artgerecht lehrt. Vergessen wir daher nicht, dass das negative Verhalten eines Hundes meistens von uns, den Hundehaltern, ungewollt antrainiert worden ist, wie zum Beispiel, das Hochspringen bei Begrüßungen, das Bellen, das Ziehen an der Leine und das Ablecken. Übungen zum Abruf – Hier auf Kommando und wie man dem Hund das Bellen abgewöhnt sind essenzielle Ergänzungen der Impulskontrolle-Übung.

Wie trainiert man Impulskontrolle mit dem Hund?

Wie gewohnt üben wir alle Übungen immer zuerst Zuhause, in einem gewohnten Umfeld und unter geringsten Ablenkungen. Verstaue somit alle Spielsachen, Hundeknochen, Leckerlis, und alles was deinen Hund ablenken kann. Außerdem brauchst du dabei eine kurze Leine (2 m) und ein Halsband oder Geschirr.

  1. Diese Übung kannst du im Stehen oder Sitzen trainieren.
  2. Halte die Leine fest und gestrafft und wirf ein Futterstück ca. 1 m vor den Hund. Der Hund folgt wahrscheinlich seinem Instinkt und möchte das Futter fangen, oder schnellt sofort hin. Aber die Leine ist ja schon gestrafft, deswegen wird er das Futter nicht erreichen.
  3. Jetzt musst du geduldig warten, bis er sich entspannt und die Leine sich lockert. Straffe und lockere dazu die Leine nacheinander. Er soll verstehen, dass er zwar „frei“ ist, aber nur, wenn er nicht zum Futter geht. So wird er schnell lernen, dass er es eben nicht aufnehmen darf.
  4. Wenn er sich entspannt hat, sich hinsetzt, sich legt oder dich ansieht, dann geben wir ihm das Kommando „Such“. Zeige mit dem Finger auf das Futter und gehe gemeinsam mit dem Hund zum Futter. Jetzt darf er das Leckerli aufnehmen. Erinnere dich daran, dass Hunde in Bewegung lernen.

Hilfe bei der Geduld-Übung

Wenn dein Hund sehr stark, groß ist und viel zieht, kannst du ihm zeigen, dass das Futter unter deiner Kontrolle ist, indem du deinen Fuß zwischen Hund und Futter stellst oder mit der Hand abdeckst. Gleich wie vorher musst du deinen Hund mit der Leine halten, bis er sich entspannt. Diese Übung erfordert einen guten Umgang mit der Leine. Wenn der Hund viel Kraft hat, ist es besser, dies zwischen zwei Personen zu tun.

Erhöhe den Schwierigkeitsgrad der Übung Impulskontrolle

Nach und nach erhöhen wir dann den Schwierigkeitsgrad. Jetzt soll er dich vorher immer ansehen, bevor du ihm mit „Such“ die Erlaubnis gibst, zum Futter zu gehen. Die Übung Blickkontakt wird dir dabei helfen.

Dafür müssen wir nach dem Wegwerfen des Futters nur noch etwas warten. Der Hund wird feststellen, dass er kein Futter bekommt und dann wird er sich sogar hinlegen oder setzen. Manchmal ist es besser, wenn der Hund vorher schon weiß, wie Sitz und Platz geht. Dauert es sehr lange bis dein Hund sich entspannt, kannst du ihn einmal beim Namen nennen und wenn er dich ansieht, gibst du gleich das „Such“ – Kommando.

Wir erhöhten die Schwierigkeit nun wieder. Wirf das Futter, aber dieses Mal, ruf ihn beim Namen und motiviere ihn direkt mit dir mitzugehen. Geh eine Runde in der Wohnung. Jetzt wird nur mit der Stimme belohnt, denn wir haben uns vom Futter entfernt. Außerdem ist es wertvoll, diese Übung mit dem Aus-Training und dem Boxentraining zu kombinieren.

Was tun, wenn mein Hund draußen keine Impulskontrolle hat?

Wenn dein Hund während des Spaziergangs zu denen gehört, die gerne Futter, o.Ä. vom Boden aufheben, empfehlen wir, von nun an Futter, Leckerlis, etc. immer nur per Hand zu füttern. Das bedeutet, er sollte Impulskontrolle lernen. Bei der richtigen Ausführung gibst du ihm allerdings die Belohnung per Hand und nicht das „Such“-Kommando. Des Weiteren empfehlen wir das Grundkommando Nein zur Ergänzung. Nach erfolgreichem Training der Impulskontrolle könnt ihr beide auch das Kommando „Zurück“ üben.

Zurück-Kommando als Ergänzung zur Impulskontrolle

Mit dem Kommando „Zurück“ meinen wir einen oder mehrere Schritte zurückzugehen oder rückwärtszugehen. Dieses Kommando ist in weitere Folge dazu gut, damit dein Hund seinen Impuls im Zaum hält, sich beherrscht, wenn er etwas vom Boden aufnehmen will oder stürmisch auf das Futter schnellt.

Wieso du deinem Hund das Kommando „Zurück“ beibringen solltest

„Zurück“ ist kein Abbruchsignal, wie z.B. das Signal „Nein“, sondern ein Kommando, einen oder mehrere Schritte zurückzugehen oder rückwärts zu marschieren. Das dient nicht nur zur Impuls- oder Futterkontrolle, sondern auch um die Geduld zu trainieren.

Nehmen wir an, dein Hund schnellt sofort zum Futter und schlingt es gierig auf. Mit der Übung „Zurück“ muss dein Hund vom Futter ablassen, seine Geduld trainieren und einen Schritt zurückgehen. Dasselbe gilt für Begrüßungen, wenn dich dein Hund anspringt und wenn er etwas Unerwünschtes vom Boden aufnehmen will. Das Kommando „Zurück“ funktioniert am besten, wenn dein Hund Übungen zur Impulskontrolle, Futterkontrolle oder „Sitz“ bereits kennt. Trotzdem ist es ein hervorragender Trainingsspaß, den du zuerst zu Hause und danach draußen unter mehr Ablenkung üben kannst.

Wie lernt mein Hund das Kommando „Zurück“?

Dieses Kommando ist ein sehr schnell gelerntes, da Hunde in Bewegung am besten lernen und diese Übung reine Bewegung ist. Übe, wie gesagt, zuerst zu Hause, und ohne Ablenkung. Du benötigst lediglich Futter oder Leckereien.

Unser Erfolgsrezept der Frustrationstoleranz

Wir haben diese Übung mit unserem tschechoslowakischen Wolfshund und mit einem Fertig B.A.R.F. Menü (*) trainiert, d.h. einer artgerechten Mischung aus rohem Fleisch, Gemüse und Ölen. Dazu haben wir das Futter in eine große Schüssel gegeben. Er wusste dabei schon, dass er warten muss und hat gleich „Sitz“ gemacht. 

Dann haben wir mit einem Holzkochlöffel etwas Futter aufgenommen und vor ihm hochgehalten. Er hat sofort „Sitz“ gemacht und gewartet. Wenn dein Hund noch nicht mit Sitz und Geduld vertraut ist, empfehlen wir dir Übungen zu diesem Thema, die du auch in „5 Schritte zu einer wohltuenden Hund-Mensch-Beziehung“ (*) findest.

Nun halte den Kochlöffel mit dem Futter hoch und gehe einen Schritt auf deinen Hund zu. Er wird mit Sicherheit nur auf den Löffel starren und schnell aufspringen, zurückspringen und wieder auf den Löffel starren. In dem Moment, indem du einen Schritt auf ihn zugehst und er sich auch bewegt, sag „Zurück“. Danach lass ihn das Futter vom Löffel schlecken.

Wenn er trotzdem verdutzt sitzen oder stehen bleibt, lass dich nicht einschüchtern, und gehe noch einen Schritt auf ihn zu. Wenn nötig so, dass du ihn etwas verdrängen musst. Natürlich liebevoll!

Jetzt rufe ihn beim Namen, damit er wieder zu dir kommt. Er soll sich wieder setzen, was er wahrscheinlich von alleine macht. Fülle den Löffel wieder an und wiederhole das Ganze mehrere Male. Ab und zu, aber nicht jedes Mal, sag „Zurück“ bevor du den Schritt auf ihn zugehst, um zu schauen, ob er das Kommando schon verstanden hat. Wenn nicht, übe so lange, bis fast kein Futter mehr in der Schüssel ist.

Beim letzten „Zurück“ gib ihm statt dem Kochlöffel die Schüssel. Wie du siehst, kann man die tägliche Futterzeit zum Trainieren verwenden. Der Hund hat Spaß daran und wird mental ausgelastet. Danach wird er mit Sicherheit eine Runde Schlaf brauchen. Diese Übung wird dein Hund sehr schnell lernen.

Viel Erfolg und Spaß!


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