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Warum du dich nicht schlecht fühlen musst, wenn du nicht Nein sagst

Das Durchsetzungsvermögen wird überbewertet. Paz López erklärt wieso.

Jeder scheint über das Durchsetzungsvermögen zu sprechen, darüber, wie man lernt Nein zu sagen, ohne sich schuldig zu fühlen. D. h. die Selbstbehauptung wird als Strategie, als mächtiges Werkzeug betrachtet, um ernst genommen zu werden, um unsere Ziele zu erreichen und um von anderen respektiert zu werden. Wir wollen diesem Konzept eine andere Betrachtungsweise geben und es aus einer anderen Perspektive betrachten. Wir wagen es zu behaupten, dass das Durchsetzungsvermögen überbewertet wird.

Was ist das Durchsetzungsvermögen?

Durchsetzungsstärke (Ich-Beteiligung) ist die natürliche Art und Weise, in der sich unsere Seele ausdrückt, sie braucht keine Gesten, keine schönen Worte, keine Strategien und keine große Beredsamkeit. Sie kommuniziert mit Einfachheit, Klarheit und Autorität und spiegelt so ihr Wesen, ihr Sein wider. Die Entfaltung des Seins kann nur stattfinden, wenn sie nicht durch Regeln, durch die Gesellschaft oder durch andere Menschen behindert wird. 

Wie weiß man, ob man durchsetzungsfähig ist?

Wenn du das Gefühl hast, dass du deine Gefühle nicht frei ausdrücken kannst, deine Wünsche oder Meinungen unterdrückst, bist du in diesem Moment nicht du selbst. Du hast bereits mehrere Personas (Persönlichkeiten) geschaffen, und eine von ihnen hat die Kontrolle übernommen. Und das ist der Moment, in dem du dich fragen musst: Wozu tue ich das? Wovor habe ich Angst? Denn wenn du aufgehört hast, ehrlich zu dir zu sein, ist das ein klares Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, und dass du nicht durchsetzungsfähig bist.

Warum es okay ist wenn man nicht Nein sagt

Manchmal ist es eine Strategie, nicht ganz ehrlich zu antworten oder nicht auszudrücken, was man wirklich will, um ein beängstigendes Problem loszuwerden, mit dem man sich in diesem Moment nicht befassen will. Und das ist auch gut so, denn solange das der Grund ist, ist es sogar ein kluger Schachzug. Mit Argumenten und langen Erklärungen kommt man nämlich nicht weit. Solange du die Wahrheit in dir kennst, und du dich emotional gut fühlst, ist es manchmal gut weniger behauptend zu sein. 

Man könnte sogar sagen, dass du so Bescheidenheit zeigst. Manchmal ist es besser nicht zu versuchen die andere Person zu überzeugen, denn diese hat ihre eigene Meinung und es steht ihr frei zu sagen, was sie will. Wenn man versucht sich bewusst nicht durchzusetzen respektiert man so das Gegenüber. Das heißt aber nicht automatisch, dass die andere Person seinen Willen bekommt und du deinen nicht, denn schließlich fühlt jeder seine eigene Wahrheit in sich und ist zufrieden.

Die andere Person mag vielleicht denken, dass sie dir überlegen ist, dass sie intelligenter ist, aber das ist ihr Problem und du musst dir darüber keine Gedanken machen. Sollte es Teil ihres Bewusstseinsweges sein, wird sie es noch lernen. An was du arbeiten musst und was du für dich feststellen kannst, ist, ob dieses Verhalten oder diese Art, mit dir zu sprechen, etwas in dir auslöst oder dich emotional bewegt.

Muss ich mich wirklich immer durchsetzen oder behaupten?

Wenn du dich schlecht fühlst, weil du glaubst, dass du kein Durchsetzungsvermögen hast, dann ist es an der Zeit zu überprüfen, warum du dich so fühlst. Es kann sein, dass du anfälliger auf bestimmte Personen, gewisse Handlungen, Entscheidungen, Aussagen bist. Auch kommt es vielleicht darauf an wie oder was eine Person zu dir sagt. Gleiche Äußerungen oder das gleiche Verhalten einer anderen Person würde dich vielleicht kein bisschen einschüchtern. Aber diese eine Person lässt dich zusammenzucken oder macht dich traurig, weinerlich, wütend, schüchtern oder verlegen und es wird immer schwieriger durchsetzungsfähig zu bleiben. 

Geht es um mich oder um die andere Person?

Zuerst muss du herausfinden, ob das, was er oder sie sagt, wirklich etwas mit dir oder eher mit der anderen Person zu tun hat. Denn manchmal greift man jemanden an, weil man mit sich selbst nicht zufrieden ist und etwas nicht passt. Daher beobachte und analysiere in diesem Moment, warum und woher das Gesagte kommt. Ist es wirklich für dich bestimmt? Handelt es sich tatsächlich um deine Unsicherheit, um deine Angst vor Veränderung, oder um seine? 

Warum attakiert man die andere Person ohne Grund?

  • Reden ohne zu Denken: In diesem Moment gibt es einfach keine andere mögliche Erklärung, man denkt nicht einmal nach oder entscheidet etwas, man tut es einfach, man ist sich nicht bewusst, was man sagt und wie es den anderen beeinflusst. 
  • Man hat falsche Informationen über die Fakten.
  • Jemand kennt die Gesamtheit der Informationen nicht, die wirklichen Tatsachen, und deshalb beruht die Haltung und Meinung auf Informationsfragmenten.
  • Man greift jemanden verbal an, weil man ein verstecktes Interesse hat. Mit dem Angriff erlangt man einen Vorteil, Einfluss, etc.

Und für den Fall, dass es doch mit dir zu tun hat, kannst du es annehmen, akzeptieren und dich dazu entscheiden dieses Verhalten zu ändernSei dankbar dafür, dass er oder sie dir diese Wahrheit offenbart hat. 

Was kann ich sagen und tun, wenn es sich nicht um meine Ängste handelt?

Wenn das Gesagte oder die emotionale Attacke nichts mit dir zu tun hat, sondern mit Ängsten oder Vorurteilen der anderen Person, kannst du dich so ausdrücken:

Ich verstehe, was du über mich denkst. Es tut mir leid, dass du diese Meinung über mich hast. 

Mit diesen Antworten machst du deutlich, dass du ihm zugehört hast, dass du seine Meinung zur Kenntnis genommen hast und dass du anderer Meinung bist. So machst du klar, dass du Stellung beziehst, Grenzen setzt und dich nicht von seinen Worten in deinem Weg beirren oder verdrängen lässt.

In diesen Fällen hat ein Übermaß an Worten, Entschuldigungen und Rechtfertigungen, den gegenteiligen Effekt. Sie lassen dich schutzlos, eingeschüchtert oder klein wirken. Ohne es zu merken, kann der gegenteilige Effekt eintreten und die Kritik an dir verstärken. Gib dieser Person also keine zusätzliche Munition in die Hand, damit sie dich weiter angreifen kann.

Wie kannst du durchsetzungsfähig und im Einklang mit dir sein?

Als erstes solltest du dich selbst beobachten, wie dein Körper und deine Psyche auf die Angriffe oder Forderungen anderer reagiert. Es hat keinen Sinn, einem Handbuch mit gelernten Antworten zu folgen, wenn man nicht darüber hinaus schaut. Es ist schwierig, jemandem die Stirn zu bieten, wenn man nicht die innere Stärke hat, sich dem Gegenangriff zu stellen, den es mit Sicherheit geben wird. 

Wie kann ich aus einer Angriffssituation unbeschadet herauskommen?

Irgendwann muss man sich dem Gegenüber stellen, aber natürlich ist es besser, vorbereitet zu sein. Indem man an sich selbst arbeitet und indem man sich mit sich selbst auseinandersetzt, kann man sich emotional und spirituell vorbereiten. Du musst über das Gesagte, über den Angriff des anderen hinaussehen und weiter denken, denn meistens haben Aussagen gar nichts mit dir zu tun. Diese persönliche Arbeit wird der Schlüssel sein, der dir nicht nur die Tür zum Durchsetzungsvermögen öffnet, sondern auch zu vielen anderen Dingen, die du dir jetzt noch gar nicht vorstellen kannst. Denn die Durchsetzungskraft hat tief im Innern zweifellos nur etwas mit deinem Wesen zu tun, mit dem freien Ausdruck deiner Seele. Wenn du mit ihr im Einklang bist, können sich Situationen auf natürliche Weise lösen. Somit kannst du dich weiterentwickeln, emotional wachsen und die Welt mit neuen Augen beatrachten.

Wenn du mit deiner Seele im Einklang bist, können sich Situationen auf natürliche Weise lösen.

Buchempfehlungen zum Thema Durchsetzungsvermögen

Es gibt ein Buch, das wir als sehr empfehlenswerte Lektüre betrachten, die dir bei deinem persönlichen Bewusstseinsweg und Durchsetzungsvermögen helfen kann:

„Eine neue Erde“ von Eckart Tolle.


In Zusammenarbeit mit Lebensberaterin und Coach Paz López.