Startseite » Abruftraining – Hier auf Kommando

Abruftraining – Hier auf Kommando

abruftraining

Der Abruf, das Abruftraining oder das Hiertraining wird oft zum schwierigsten Kommando beim Hundetraining, denn welcher Hund will seine Freiheit freiwillig aufgeben, um zurück an die Leine zu kommen? Deshalb muss das Hiertraining auf eine positive Weise gestaltet werden.

Erste Schritte des Abruftrainings

Auch wenn es zu Beginn etwas komisch sein mag, fängt man mit dem Abruftraining am besten zu Hause an, das heißt, in den eigenen 4 Wänden im Wohnzimmer oder einem vom Hund gewöhnten Raum. Dabei ist wichtig jegliche andere Ablenkungen zu vermeiden oder zu eliminieren. 

  • Verstaue jegliche Spielsachen und Kauknochen
  • Trainiere am besten zu Beginn alleine
  • Schalte Fernseher oder Radio aus.
  • Trainiere zu einer Zeit, an der wenig Lärm oder andere Geräusche herrschen.
  • Achte auf wenig oder gar keinen Personenverkehr. (Z.B. andere Wohnungsmitglieder)
  • Bei mehreren Hunden binde den anderen Hund an einen Stuhl, er kann beobachten, wenn er ruhig ist. Ansonsten organisiere evtl. einen Spaziergang mit einer anderen Person, etc.
  • Sei geduldig, überfordere deinen Hund nicht.

Keine Sorge! Das sind Regeln, die du vor allem zu Beginn beachten solltest, später kannst du das Training auch draußen und mit anderen Personen vornehmen.

Level 1 – Gehe mit deinem Hund in der Wohnung spazieren

Gehe mit deinem Hund angeleint und mit Halsband, schweigend in deinem Wohnzimmer spazieren. Führe ihn zwischen Tisch und Sessel, Couch und Sofatisch hin und her. Dabei soll er aufmerksam neben oder hinter dir gehen. Wichtig ist, dass du dabei schweigend gehst und deinen Hund mit deiner motivierenden Körpersprache dazu bringst aufmerksam zu sein. Wenn er sitzen oder stehen bleibt, deute mit der Leine gefühlvoll an, dass er mitkommen soll. Spanne dazu leicht die Leine und lockere sie. Bei lockerer Leine nenne deinen Hund beim Namen. Motiviere ihn! Diese Übung ist auch wichtig beim Training der Leinenführigkeit.

Die Leine soll immer durchhängend sein. Mit dem Hund wird nur gesprochen, wenn die Leine locker ist!

Level 2 – Motivation für den Abruf

Hunde sind Bewegungstiere und lernen Kommandos am besten in Bewegung. Das bedeutet, dass wir beim ersten Training einen Befehl oder Kommando dann verbal aussprechen, wenn der Hund wirklich gerade dabei ist, die Bewegung auszuführen. Beim Hiertraining heißt das, dass wir den Hund vorher irgendwie dazu motivieren müssen zu kommen, und dann sagen wir erst „Hier” oder „Komm”.

  1. Nimm etwas Futter in deine Belohnungshand und die Leine in deine Führhand. Siehe: Die Leine richtig halten.
  2. Entferne dich ein paar Schritte von deinem Hund. Halte die Leine locker. Die Leine soll am Anfang etwa 2 m lang sein.
  3. Ist dein Hund aufmerksam, sag seinen Namen und gehe einen Schritt zurück. Deute mit der Belohnungshand an, dass er etwas bekommt.
  4. Gehe langsam mehrere Schritte weiter zurück und locke den Hund mit der Belohnungshand. In dem Moment, indem dein Hund fast das Leckerli aus deinen Fingern nimmt, sprich das Kommando „Hier” aus. Achte darauf in Bewegung zu sein. Bleib in dem Moment nicht stehen.
  5. Wiederhole diese Übung mehrere Male.
  6. Bei dieser Übung verwenden wir Futter als Belohnung. Achte darauf nur das Futter zu geben, ohne gleichzeitig zu streicheln oder „Fein” zu sagen. Siehe: Den Hund richtig belohnen.

Das Kommando „Hier“ sprechen wir dann aus, wenn der Hund 1. noch immer in Bewegung ist und 2. kurz bevor er das Futter aufnimmt.

Level 3 – Hier ohne Leine zu Hause

Nach dem erfolgreichen Training können wir vorsichtig damit beginnen, das Kommando “Hier” zu verwenden. Lass dazu die Leine einfach auf den Boden schleifen. Geh einige Schritte weg von deinem Hund oder sogar in einen anderen Raum und rufe “Hier”. Bei der Belohnung gehst du gleich vor wie bei der Übung vorher. Das heißt, wir geben das Futter in der Bewegung. Während der Hund immer noch in Bewegung ist, gehen wir auch einen Schritt zurück. Gleichzeitig gibst du ihm das Futter.

Level 4 – Abruftraining Schwierigkeitsgrad erhöhen

Jetzt kannst du den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Die Übung zu Hause kann und soll lustig für deinen Hund sein und dies ist am besten möglich, wenn sich mehrere Personen an der Übung beteiligen. Jeder soll einen Futternapf oder ein Tupperware mit einigen Futterstücken nehmen. Dann stellen sie sich in einen großen Kreis oder verteilt in der Wohnung (oder anderen Räumen) auf. 

Nun wird die Übung genau gleich wie in Level 2 oder später Level 3 wiederholt. 

  • Level 2: Dein Hund kann „Hier” noch nicht ganz. Eine Person beginnt den Hund beim Namen zu rufen. Wenn er dann energisch herläuft, hält die Person den Futternapf auf seine Höhe, damit er selber fressen kann. Er soll aber nicht alles aufnehmen.
  • Dann ruft gleich eine weitere Person.
  • Es gilt wieder: „Hier” wird gesagt in dem Moment, indem er fast das Futter aufnimmt und noch in Bewegung ist.
  • Bei Level 3: Dein Hund versteht „Hier”. Die Übung funktioniert gleich. Allerdings wird sofort „Hier” gerufen.

Level 5: Abruftraining draußen

Erst wenn das Hiertraining wirklich zu Hause und ohne Ablenkungen funktioniert, kann es überhaupt erst draußen funktionieren, dort wo tausend Gerüche und Geräusche deinen Hund ablenken können. Die Übung funktioniert allerdings genau gleich, ob drinnen oder draußen. Siehe: Hundetraining draußen oder drinnen.

Das Abruftraining soll für den Hund lustig sein!
Das Abruftraining soll für den Hund lustig sein und nie überfordernd.

Achte deinen Hund nie zu überfordern und beobachte deinen Freund. Mit den Beschwichtigungssignalen kannst du deine Fellnase besser verstehen lernen. Wenn dein Hund gestresst, überfordert oder gelangweilt ist, kann es leicht passieren, dass er die Aufmerksamkeit verliert und gewisse eindeutige Signale macht, wie zum Beispiel, sich über die Nase zu schlecken, zu gähnen, zu niesen, sich abzuwenden, etc. Dabei ist auch wichtig auf deine eigene Körpersprache zu achten. Siehe: Die Körpersprache der Menschen im Vergleich zur hündischen.

Ein weiterer Tipp für das Abruftraining draußen:

Beginne am Anfang wieder in einem gewohnten Umfeld, zum Beispiel, im gewohnten Park, oder Spielwiese. Achte auch auf wenig Ablenkung, Straßenlärm, Bauarbeiten, etc. Verwende eine 2 m Leine für die ersten Übungen. Danach kannst du in einem gesicherten Umfeld auch auf Distanz bzw. abgeleint trainieren. Sollte dein Hund gar nicht reagieren, wenn du ihn rufst, empfehlen wir dir gleichzeitig zuhause unsere Grundkommandos zu trainieren.

Den Hund wirklich nur dann ableinen, wenn er diesen Trainingsfortschritt hat!

Wichtig ist, dass du deinen Hund nie schimpfst oder bestrafst, weil er zu lange braucht auf dein Rufen zu reagieren. Sollte dein Hund nicht auf deinen Abruf kommen, bedeutet dies entweder, dass er das Kommando noch nicht verstanden hat, oder, dass er das Gefühl hat, dass du genervt oder wütend bist. Im letzteren Fall, solltest du auf deinen Tonfall achten und deinen Hund keines Falls schimpfen, wenn er im Bogen auf dich zu kommt, stehen bleibt, zu schnüffeln beginnt. Dies sind Körpersignale, die ihn und vor allem dich beschwichtigen bzw. beruhigen sollen.

Links und Buchempfehlungen